Warten

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Es ist irgend wo schon grausam – da würde man gern was machen, man kann aber nicht und wartet auf den Tag, an dem es endlich wieder weiter geht. Wenn es wenigstens die ganze Zeit geregnet hätte, dann hätte man sich etwas darüber hinweg trösten können „Bei dem Regen will man eh nicht raus.“ Aber nein, bis auf ein paar wenige Regentage hatte sich ja der Oktober mal wieder von der besten Seite hier gezeigt … und ich sitze mit einem kaputten Handgelenk da, mein Moped ist Schrott und ich muss warten bis die Zeit vergeht. Noch nicht mal Fahrrad kann ich fahren um zumindest ein bisschen das Gefühl von Freiheit in Harmonie mit der Natur erfahren zu können.

Warten … warten … und nochmals warten – mehr geht eigentlich nicht.

  • Warten darauf, dass jemand vorbei kam um mir eine Saftflasche zu öffnen. Damit hatte es schon angefangen. Aber langsam hatte ich mir eine Möglichkeit geschaffen um dies doch mal wieder selber zu bewerkstelligen. Nach einem Monat hatte es auch endlich wieder ohne Hilfsmittel funktioniert – war zwar schon noch ein Kraftakt, aber es ging.
  • Warten darauf, dass mir jemand was zu Essen bringt. Tagsüber hatte ich ja doch recht wenig gegessen, da die Zubereitung – und wenn es nur um das Bestreichen eines Brotes ging – ebenfalls zu einem Kraftakt wurde. Aber irgend wann meldete sich der Magen. An etwas selber kochen war ja erst gar nicht zu denken, also wurde etwas bestellt … doch bis dann das Zeugs da war …
  • Warten auf Mails, die vielleicht etwas Ablenkung bringen könnten. Um sich die Zeit zu vertreiben gab es ja fast nur die Möglichkeit sich an den Rechner zu hocken und durchs Internet zu surfen. Täglich bin ich so mehrere Foren und Communities durch gegangen. Aber irgend wann hatte man alles darin gelesen und es kam kaum noch was Neues nach – zumindest zu wenig, um sich den ganzen Tag damit um die Ohren zu schlagen.
  • Warten auf einen brauchbaren Film im Fernsehen. Abends gab ich mir die Tagesschau um wenigstens ein bisschen Zeitgeschehen mit zu bekommen. Danach zappte ich die Programme durch auf der Suche nach Zerstreuung. „Den Film hab ich schon gesehen … den kenn ich auch … hmm, den hab ich schon lang nicht mehr gesehen.“, so ging das dann mit der Fernbedienung in der Hand. Hier und da sah ich mir alternativ auch mal eine Doku an. Doch die Reisedokus erweckten zu sehr mein Fernweh, bei geschichtlichen Dokus kamen mir mögliche Tourenziele in den Kopf – und wieder Fernweh, die technischen Dokus hatten in der Zeit irgend wie alle was mit Motorrädern zu tun „AARRG – ich will Moped fahren!“ und die politischen Dokus regten mich gar zu sehr auf, wenn ich so den Bockmist ansah, was unsere heutigen Politiker alles verzapfen. Irgend wann zappte ich nach den Nachrichten noch kurz durch, es kam nichts, also ausschalten und wieder an den Rechner.
  • Warten auf Heilung; auf dass der Arzt endlich sagt: „So jetzt geht wieder alles.“ Doch wie lange werde ich darauf noch warten müssen? Im Schnitt ging es alle zwei Wochen zum Arzt, kurz geröntgt um eventuelle Veränderungen fest zu stellen, ein kurzes Gespräch: „Wie geht es ihnen? … Können sie hier was bewegen? … Na dann bis zum nächsten Mal.“ Zwar kam dann endlich mal die Bewegungstherapie dazu, doch auch hier war warten angesagt – warten zwischen den Terminen; auf das es endlich weiter gehe.
  • Warten auf ein Moped – auf das Moped, mit dem ich endlich wieder durch die Lande cruisen kann! Für mein altes hatte ich gar schon zwei Interessenten, die es sich günstig wieder aufbauen wollen. Doch die Bürokratie verhinderte hier einen schnellen Verkauf. Die Akte von der Staatsanwaltschaft kam nicht und so war nicht klar, was mit dem Moped nun geschehen könne. Wird die gegnerische Versicherung vielleicht noch ein Gegengutachten erstellen wollen? MUSS es repariert werden? MUSS es gar verschrottet werden? Oder wer weiß was noch. Und auch das andere Moped, die Dakar musste warten auf die Entscheidung der gegnerischen Versicherung – auf das Geld um sie bezahlen zu können.

Dieses ständige Warten ging mir langsam auf den Sack … doch was sollte ich anderes tun?

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