wenn Sekunden zu Minuten werden

Ich war in der Polposition als die Ampel grün wurde. Auf dieser doppelspurig und sehr breit ausgebauten Umgehungsstraße, die zwischen zwei Stadtteilen entlang führt, konnte man weit voraus auch die kommenden Ampeln sehen. Da sie rot waren, wäre ein schnelles Vorankommen unangebracht. Kurz nach dem Losfahren an der hiesigen Kreuzung schaltete auch die nächste Ampel auf Grün. Zwar schien mir diese Umschaltung etwas komisch, da sie keine kürzere Orangephase wie sonst aufwies. Aber es waren alle weiteren Signale in meiner Spur kurz darauf auf Grün. So hielt ich während dieser Beobachtung zwar mit dem Beschleunigen etwas inne, doch nun freie Fahrt bis zur letzten roten Ampel an der großen Kreuzung zur entsprechend ausgebauten Durchfahrtsstraße zwei Blocks parallel zur Fußgängerzone. Da ja die übernächste Ampel eh wieder rot war bin ich gemäßigt (für einen Motorradfahrer) die Straße runter gefahren und kam an die nächste Kreuzung mit den grünen Ampeln auf meiner Route.

An der Ampel vorbei, in die Kreuzung hinein fahrend bemerkte ich ein Auto, ein neuerer SUV-Kasten, auf der Linken Seite im Querverkehr. Hier sollte wohl noch erwähnt werden, dass zwischen den Fahrtrichtungen noch sehr viel Platz gelassen wurde damit eine künftige Straßenbahnlinie mit Tunnelauffahrt in diese Umgehungsstraße eingebaut werden kann. D.h.: zwischen den Fahrbahnen in die jeweilige Richtung könnte sich gar ein LKW quer einstellen ohne in irgend einer Weise zu behindern. Und genau hier (zwischen den Hauptfahrbahnen) stand nun dieses Auto. In der nächsten Sekunde bemerkte ich, dass es ja gar nicht Stand! Die Dose bog in die Hauptstraße ein in meine Fahrtrichtung. … Das wird knapp!

Mein erster Gedanke galt nun der Frage: Kann ich ausweichen? Ich fuhr auf der linken Spur und das einquerende Fahrzeug zog fast auf die rechte Spur, blieb aber dann doch auf der linken. Mir war klar, dass das mit dem Ausweichen nicht wirklich was geben würde, vor allem da ja rechts von mir ebenfalls noch ein Fahrzeug seien dürfte.

Meine Gedanken kreisten weiter: Würde ich es schaffen wie damals mit der GPZ auf den Mustang, dass ich nur leicht andocke und einigermaßen sauber von der Maschine runter komme? Wie sollte ich eh am besten absteigen? Schaffe ich es die Maschine von mir weg zu bringen? Würde ich mir das Auto wieder von unten ansehen? Fragen über Fragen waren plötzlich in meinem Kopf. Alle möglichen Szenarios spielte ich in meinen Gedanken durch. Versuche der möglichen Schadensabschätzung und deren Einschränkung windeten sich bereits durch mein Gehirn.

Mit diesen Gedanken bereits am Abbremsen machte ich nun ganz zu … doch …

Ich hörte noch wie mein Vorderrad auf das Vehikel vor mir ein drosch. Im nächsten Moment meines Bewusstseins machte ich eine Rolle nach vorne und kam in den Stand. Ein Schritt vor mir war eine Holzbrüstung und ich tat noch diesen letzten Schritt und setzte mich dort auf die Querstange.

Nachtrag: Der letzte Abschnitt hier ist die Schilderung, wie ich es zu dem Zeitpunkt empfunden hatte. Beim letzten Schadensersatz-Prozess ca. drei-einhalb Jahre später erfuhr ich, dass ich mehrere Minuten regungslos auf der Straße gelegen bin. 😕

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.