Sehnsucht

Wegen meinem Schlafproblem stand ich immer mit dem Sonnenaufgang auf. Durch mein Dachfenster hab ich einen weiten Ausblick über die Dächer der Stadt. So stand ich als am Fenster und beobachtete das Farbenspiel der aufgehenden Sonne. Über die äußersten Hügel des Schwarzwalds am anderen Ende der Stadt empor ragend krochen die schillernden Strahlen der morgentlichen Sonne über die Dächer und färbten alles in eine wärmende Idylle. Der goldene Oktober sollte sich gar von seiner besten Seite zeigend beginnen.

Auch am Abend, wenn ich an meinem Computer saß, mit Blick zum Westen, erstrahlte der Himmel in einem Farbenmeer von wärmendem Rot und Orange bis hin zum gleißenden Blau, dass nach und nach zum Schwarz der Nacht wurde. Ich klappte immer wieder das Fenster auf um diese erhabene und so gleich beruhigende Stimmung in mir einzufangen.

So saß ich nun morgens und abends an einem Fenster und erinnerte mich an Fahrten in genau diesen herrlichen Stunden des Tages, wenn alles sich in diesen wärmenden und beruhigenden Farben der Sonne hin gibt und eine Stimmung der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Ich erinnerte mich an die Rückfahrt von Donaueschingen, als ich fast zwei Stunden nur mit der untergehenden Sonne an der Seite quer durch den Schwarzwald, schier von der Freiheit des Seins beflügelt, gen Heimat in die Nacht hinein fuhr.

Ich erinnerte mich an einen morgentlichen Ausritt, als ich nach einer, am Rechner durch gemachten Nacht versuchen wollte ein Bild der aufgehenden Sonne über den Rhein zu erhaschen und schier durch die Überwältigung der erwachenden Natur beinahe vergaß den Auslöser zu drücken.

Ich erinnerte mich an diverse Rückfahrten vom Pfälzerwald mit der untergehenden Sonne im Rücken, bei denen es schien als wolle die Sonne mir durch meinen eigenen Schatten in der fast schon rötlich gefärbten Umgebung der Landstraße den Heimweg zeigen. Oder als ich morgens der aufgehenden Sonne entgegen durch Schwarzwald und Schwäbische Alb nach Aalen fuhr um mit neuen Freunden einen herrlichen Tag zu verbringen.

Diese schönen Erinnerungen an all diese von Freiheit und Abgeschiedenheit auf der Landstraße erfüllten Stunden kamen mir einfach so durch den Kopf gekrochen und ich schaute mir dazu die Bilder der vergangenen Touren an. Aber dabei saß ich einfach nur in Trauer gehüllt da. Mein Handgelenk gebrochen und bewegungsunfähig, mein Kälbchen in der Werkstatt und wohl dem Tode geweiht, auch nur die Kamera mit Problemen bedienen könnend – keine Möglichkeit sich dieser Naturschauspiele hingeben zu können und dem Stress und Leiden hier in der Stadt zu entkommen. … Fast schon mit Tränen in den Augen musste ich mich dieser Sehnsucht ergeben. Nur die Hoffnung irgend wann doch wieder auf einem Moped sitzen zu können bewahrte mich vor der Lethargie weiterer Depressionen.

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