von Kasse zu Privat

Am darauf folgenden Tag sollte es endlich ruhiger in dem Zimmer werden. Nach der Visite wurde bereits der zuletzt hierein gebrachte Mann entlassen. Kurz darauf machten sich die Schwestern an den alten Mann mit dem abgehängten Bein zu schaffen. Auch er wurde aus dem Zimmer wo anders hin gebracht. So lag ich dann tatsächlich erst mal alleine in dem Zimmer.

Die Zeit verging und ich konnte gar in einsamer Ruhe mein Mittagessen genießen. Dann aber wurde wieder der Mann mit der neuen Hüfte aus der Intensiven in das Zimmer geschoben. Er war noch sehr matt und hing an diversen Flaschen und Plastikbeuteln. Auch durfte er sich noch nicht arg bewegen und wurde entsprechend von den Schwestern und seiner Frau umsorgt.

Gegen Abend ging es ihm auch wieder besser und kam zu Kräften. Seine Frau ging am Ende der Besuchszeit und die Schwestern kümmerten sich auch wieder vermehrt um die anderen Patienten auf der Station. Wir unterhielten uns sporadisch. Zumeist wenn einer von uns beiden etwas Hilfe benötigte. Das Interessante dabei war, dass trotz einer gewissen Distanz zueinander wir uns doch ergänzten. Er konnte nicht aufstehen, geschweige denn laufen – ich konnte nur mit einer Hand sehr notdürftig ein paar Kleinigkeiten machen. So kam es, dass wenn er irgend etwas benötigte, das nicht in seiner direkten Greifnähe war, ich im brachte – andererseits er mir half, wenn ich etwas machen wollte, das mit meinen kaputten Händen nicht verwirklicht werden konnte. Das Ganze geschah immer in einer sehr angenehmen Atmosphäre. Oder wie ich einst auch dabei zu sagen pflegte: „Wir liegen doch alle im gleichen Zimmer.“ … Ach ja – wir lagen da – NUR zu zweit!

Als dann die Spätschicht der Schwesternschaft sich langsam zum Ende neigte, waren immer noch keine weiteren Patienten in unserem Zimmer dazu gekommen. Wir fragten dann auch mal kurz nach, ob hier noch jemand zu erwarten wäre. Die Antwort überraschte uns beide, wenn auch meinen Zimmergenossen weniger wie mich selbst: „Der Herr hat für ein Zweibett-Zimmer unterschrieben – also haben wir ein Zweibett-Zimmer hieraus gemacht.“ … „Okay“ – und wie sich bei meiner Abreise heraus stellte, musste ich dafür nicht ein mal etwas zu zahlen – „na denn.“ Diese Belegung in unserem Zimmer sollte dann auch bis zu meiner Entlassung so bleiben.

Wir hatten zwei Fernseher in unserem Zimmer. Im Normalfall wäre ein Fernseher für zwei Patienten gewesen, doch durch diese „Sonderregelung“ hatten wir beide je einen eigenen Fernseher. Die einzigsten Kosten für dessen Benutzung entstanden für den Erwerb eines Kopfhörers, falls man nicht gar einen eigenen dabei habe. Diese Möglichkeit hatte ich selber aber erst am folgenden Tag heraus bekommen. Mein Bettnachbar wurde aber schon von seiner Frau mit Ohrstöpseln dafür versorgt. So schaute er dann auch um 20 Uhr die Nachrichten. Einerseits wollten wir ja auch mal erfahren, wie die Wahl aus gegangen war. Andererseits waren es für mich eh die ersten Nachrichten seit Tagen. Es waren dabei auch Meldungen und Bilder von diversen Erbeben zu sehen. Wir lagen im Bett. Bei den besagten Bildern musste ich dann wieder nach oben zur Decke hin schauen, denn … da hing ja noch dieser alte Radiator eines Heizkörpers in ca. drei Metern Höhe über mir. „Hoffentlich gibt es HIER kein Erdbeben.“, waren meine Gedanken zum Einschlafen.

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