the day after

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Mir wurde das Frühstück gebracht. Die Brötchen wurden mir aufgeschnitten und auch beim Bestreichen wurde mir geholfen. Mit zwei kaputten Händen wäre es mir ja nicht möglich gewesen.

Während mir die Jacke und auch die Protektorenweste bei der Einlieferung ausgezogen wurde, hatte ich immer noch meine Motorradhose und ein T-Shirt an. Zwar wurde mir die Hose beim Röntgen runter gezogen, doch hatte ich ja sonst noch keine weitere Kleidung dabei. Jedoch kam meine Mutter zeitig vorbei und brachte mir ein paar Sachen. So denn wurde mir geholfen aus der Hose zu kommen und ich konnte mir eine Jogginghose an ziehen. Meine Mutter ging auch bald wieder um weitere benötigte Sachen bei mir zu Hause heraus zu suchen und später vorbei bringen zu können. Auch bittete ich sie bei meinem Onkel vorbei zu gehen und mir die Tasche mit der Kamera mit zu bringen. Die Kamera war in einem der Koffer und ich befürchtete, dass sie den Sturz auch nicht überlebt habe.

Der vierte Mann, der hier am Morgen rein geschoben wurde kam langsam zu sich. Er hatte ebenfalls noch seine Klamotten an, die von oben bis unten mit Blut verschmiert waren. Obwohl er selber ein gebürtiger Deutscher war, hatte er einen afrikanischen Vater und wurde wohl als ungeliebter Einwanderer gesehen, weswegen er in der Nacht hinterrücks zusammen geschlagen wurde. Doch als noch recht junger Kerl kam er schnell zu Kräften und wir gingen zusammen auf die Dachterrasse um ein / zwei Zigaretten zu rauchen. Was für eine Wohltat nach über zwölf Stunden.

Zu Mittag gab es dann einen Linseneintopf mit Wienerle. Die Wurst wurde mir klein geschnitten und so konnte ich das ganze relativ mühelos löffeln. Kurz danach kam auch meine Mutter in Begleitung meiner Schwester wieder. Sie räumte noch ein paar weitere Sachen in den für mich vorgesehenen Schrank und wir gingen dann gemeinsam auf die Dachterrasse (für die Zigarette nach dem Essen). Dort testete ich mit Hilfe meiner Schwester die Kamera – sie war vollkommen in Takt. Nur bei der Aussicht von diesem Hochhaus ärgerte ich mich, dass ich sie nicht heben konnte. In der rechten Hand hatte ich einfach noch zu wenig Kraft. Sie nahmen sie dann auch wieder mit.

Nach dem Mittagessen ging der junge Mann bereits. Am Nachmittag wurde dann auch der Mann von meiner rechten Bettseite her entlassen. Er war eine Woche zur Beobachtung und konnte aber endlich gehen. Bevor er ging und auf seinen Abschlussbericht wartete unterhielten wir uns noch etwas. Er erzählte mir, dass er die ganze Woche alleine in dem Zimmer war und erst am Vortag gegen Mittag der alte Mann am Anfang des Zimmers herein kam. Es könnte also einen angenehmer Aufenthalt geben.

Kurz vor dem Abendessen kam wieder ein Bett in das Zimmer geschoben. Diesmal in Begleitung eines alten Mannes, der trotz seiner über 90 Jahren noch voller Tatendrang war. „Ich kann noch selber laufen!“, „Ich kann mich auch selbst noch umziehen!“ und solche weiteren Äußerungen kamen ständig von ihm wenn man ihm helfen wollte. Doch trotz seiner bevorstehenden OP war er ein freundlicher und auch neugieriger Charakter. Es machte irgend wo Hoffnung, wenn man ihn so in seinen Aktivitäten beobachtete oder sich mit ihm unterhielt.

Als die Nacht einbrach waren wir somit wieder zu dritt in dem Zimmer. Die beiden alten Männer schliefen recht bald ein. Nur ich hatte wieder das Problem mit dem Schlafen. Aber diesmal war das Fenster nicht zu gezogen und so konnte ich wenigstens einigermaßen die Zeit abschätzen.

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